In einer Zeit, in der die Weltwirtschaft eine der volatilsten Phasen der letzten Jahrzehnte durchläuft — geprägt von geopolitischen Spannungen, anhaltender Inflation und einer Abschwächung des internationalen Handels — tritt Portugal als ein Fall von Resilienz hervor, der Aufmerksamkeit verdient. Laut der jüngsten Bewertung der OECD gelang es dem Land, 2024 und 2025 ein solides Wachstumstempo aufrechtzuerhalten, gestützt auf eine seltene Kombination aus makroökonomischer Stabilität, finanzieller Robustheit und Dynamik am Arbeitsmarkt.
Das portugiesische Bruttoinlandsprodukt wuchs 2024 um 2,1 %, eine Leistung über dem Durchschnitt der Eurozone, und die Prognose für 2025 bleibt positiv — trotz der erwarteten Abschwächung im internationalen Umfeld. Dieses Wachstum ging mit einer historisch niedrigen Arbeitslosenquote von rund 6,4 % einher und spiegelt eine Wirtschaft wider, die selbst unter ungünstigen externen Bedingungen weiterhin Beschäftigung schafft.
Gleichzeitig stärkt Portugal seine finanzielle Glaubwürdigkeit. Die öffentliche Verschuldung befindet sich weiterhin auf einem Abwärtspfad, getragen von ausgewogeneren Haushaltsbilanzen und einer deutlichen Verbesserung der außenwirtschaftlichen Position des Landes. 2024 verzeichnete Portugal einen Rekordüberschuss in der Außenbilanz, was auf eine wettbewerbsfähigere Wirtschaft hinweist, die weniger als früher von externer Finanzierung abhängig ist.
Diese Entwicklung ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis einer Kombination aus strukturellen und zyklischen Faktoren: starke touristische Nachfrage, eine stetige Erholung des privaten Konsums, eine beschleunigte Umsetzung europäischer Mittel sowie ein Unternehmenssektor, der sich an wiederholte Schocks anpassen konnte — von der Pandemie bis zu geopolitischen Erschütterungen.
Die OECD macht jedoch in ihrem Bericht deutlich, dass diese günstige Phase nicht zu Selbstzufriedenheit führen darf. Die portugiesische Wirtschaft bleibt relevanten Risiken ausgesetzt. Die Abschwächung der wichtigsten europäischen Volkswirtschaften, insbesondere Deutschlands, das Fortbestehen globaler Handelskonflikte und geopolitische Unsicherheit sind reale Bedrohungen für ein Wachstumsmodell, das stark vom Ausland abhängt.
Noch wichtiger ist, dass die OECD selbst warnt: Die derzeit positive Entwicklung wird nur dann nachhaltig sein, wenn Portugal zyklisches Wachstum in strukturelles Wachstum verwandeln kann. Das bedeutet, wirksamer in Produktivität, Innovation, Qualifizierung der Arbeitskräfte und institutionelle Kapazitäten zur Umsetzung öffentlicher Politik zu investieren.
Portugal geht somit mit einer beneidenswerten wirtschaftlichen Ausgangslage in den europäischen Kontext in das Jahr 2026, aber auch mit einer größeren Verantwortung. Die in den letzten Jahren gezeigte Resilienz hat eine historische Chance geschaffen. Wie das Land sie nutzt, wird entscheiden, ob dieser Zyklus nur eine weitere Erholung ist… oder der Beginn eines echten Sprungs auf ein neues wirtschaftliches Niveau.
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