Es gibt Ankündigungen, die — wenn man sie aufmerksam liest — weit mehr über die Zukunft eines Landes aussagen als die nüchternen Zahlen im Titel. Die in Sines unterzeichneten Investitionsverträge im Wert von mehr als drei Milliarden Euro gehören eindeutig in diese Kategorie. Es geht nicht nur um weitere genehmigte Projekte. Es sind klare Zeichen dafür, dass Portugal endgültig auf dem Radar der großen europäischen Industrie- und Energiezyklen angekommen ist.
Die sechs nun vertraglich gesicherten Projekte umfassen ein Gesamtinvestitionsvolumen von 3,077 Milliarden Euro, öffentliche Anreize von rund 700 Millionen und werden mehr als 2.300 neue Arbeitsplätze schaffen — viele davon hochqualifiziert. Entscheidend ist jedoch vor allem die Art dieser Investitionen und das Profil der beteiligten Unternehmen. Es geht um Elektromobilität, Gesundheit, die chemische und petrochemische Industrie, Agrar- und Lebensmittelwirtschaft sowie strategischen Bergbau. Also um Sektoren, in denen in den kommenden Jahrzehnten Wettbewerbsfähigkeit, industrielle Autonomie und geopolitische Positionierung entschieden werden.
Es ist kein Zufall, dass zwei dieser Vorhaben in Sines angesiedelt sind. CALB, einer der weltweit großen Namen in der Batterieproduktion für Elektromobilität, und Topsoe Battery Materials, verbunden mit fortschrittlichen Technologien für kritische Materialien, haben Portugal ausgewählt, um großskalige Industrieprojekte zu entwickeln. Diese Unternehmen suchen nicht nur Anreize. Sie suchen wettbewerbsfähige Energie, Zugang zu Infrastruktur, regulatorische Stabilität, Anbindung an strategische Häfen und Nähe zu europäischen Wertschöpfungsketten. Sines bietet all das und beginnt sich als echter Industrie- und Energie-Hub auf kontinentaler Ebene zu behaupten.
Doch die Landkarte endet nicht dort. Projekte wie Savannah Lithium, verbunden mit der Aufwertung kritischer mineralischer Ressourcen, oder ALB und Everbio zeigen, dass Portugal Investitionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette anzieht — von Gewinnung und Verarbeitung bis hin zu Industrie und Innovation. United PetFood und Lift One stärken zudem die agroindustrielle und produktive Dimension und beweisen, dass dieser Investitionszyklus nicht nur technologisch ist, sondern die Realwirtschaft insgesamt durchdringt.
Wichtig ist auch, dass vier dieser Projekte aus dem Anreizsystem für Investitionen in strategische Sektoren hervorgehen. Das zeigt einen Ansatzwechsel: weniger Streuung, mehr Fokus auf Ankerprojekte mit Größe, Wirkung und der Fähigkeit, Folgeeffekte auszulösen. Es geht nicht nur darum, Arbeitsplätze zu schaffen, sondern industrielle Ökosysteme aufzubauen, die Talent, Zulieferer, Engineering und Innovationszentren anziehen können.
Die Zahlen von AICEP für 2025 helfen, diesen Moment einzuordnen. Allein im letzten Jahr beliefen sich die von der Agentur begleiteten Investitionsprojekte auf 3,58 Milliarden Euro und mehr als 6.600 neue Arbeitsplätze. Das ist kein isolierter Ausschlag. Es ist ein Trend.
Meiner Ansicht nach blickt die Welt klar anders auf Portugal. Nicht mehr als peripheren Markt, sondern als Plattform für industrielle Umsetzung in einem europäischen Kontext, der zunehmend durch Themen wie Energiesouveränität, Lieferketten und Klimatransition unter Druck steht. Portugiesische Unternehmen, Entscheidungsträger und Investoren sollten das aufmerksam registrieren.
Jetzt ist die Zeit für Ambition. Portugal wird ausgewählt. Nun muss es beweisen, dass es diesen neuen Zyklus anführen kann.
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