Wenn makroökonomische Stabilität Portugal neuen Auftrieb gegeben hat, macht der OECD-Bericht deutlich, dass der nächste Wachstumszyklus durch die Qualität der Investitionen, die Innovationsfähigkeit der Unternehmen und die Effektivität des Staates selbst entschieden wird.
In den letzten Jahren hat sich die Investitionstätigkeit erholt, vor allem getragen von europäischen Mitteln, insbesondere dem Aufbau- und Resilienzplan. Diese Kapitalzufuhr war entscheidend, um Sektoren zu reaktivieren, Infrastruktur zu modernisieren und Vertrauen zu stärken. Doch die OECD warnt: Die tatsächliche Wirkung von Investitionen hängt nicht nur vom Umfang ab, sondern von ihrer Zusammensetzung und Produktivität.
Portugal investiert weiterhin weniger in Forschung und Entwicklung als der Durchschnitt der fortschrittlichsten Volkswirtschaften. Auch wenn Fortschritte sichtbar sind, bleibt die Lücke beträchtlich. Das Problem ist nicht nur finanziell, sondern strukturell. Viele Unternehmen sind weiterhin zu klein und verfügen über eine geringe Fähigkeit, Technologie zu absorbieren, Geschäftsmodelle zu skalieren und auf globalen Märkten zu konkurrieren.
Innovation, so betont die OECD, entsteht nicht in Isolation. Sie braucht starke Unternehmensökosysteme, wirksame Verbindungen zwischen Universitäten, Forschungszentren und Unternehmen sowie ein berechenbares regulatorisches Umfeld, das das Investitionsrisiko reduziert. Länder, die ihre Produktivität in den letzten Jahrzehnten beschleunigen konnten, haben dies nicht nur durch Anreize erreicht, sondern durch integrierte Innovationssysteme.
Hier kommt der dritte Eckpunkt des Dreiecks ins Spiel: der Staat.
Der Bericht stellt fest, dass sich die Effizienz der portugiesischen öffentlichen Verwaltung verbessert hat, jedoch weiterhin vor wichtigen Herausforderungen steht. Langsame Verfahren, regulatorische Komplexität und Schwierigkeiten bei der Umsetzung öffentlicher Politik belasten das wirtschaftliche Umfeld weiterhin. Eine produktivere Wirtschaft benötigt einen agileren, digitaleren und stärker ergebnisorientierten Staat.
Gleichzeitig spielt der Staat eine zentrale Rolle bei der strategischen Ausrichtung von Investitionen. Die digitale Transformation, die Energiewende und die Modernisierung der Infrastruktur werden nicht allein durch Marktkräfte stattfinden. Sie erfordern öffentliche Koordination, langfristige Planung und institutionelle Stabilität.
Die OECD ist in einem Punkt besonders klar: Länder, denen es gelingt, private Investitionen, öffentliche Politik und technologische Innovation auszurichten, schaffen einen positiven Wachstumskreislauf. Dieser Kreislauf zieht ausländisches Kapital an, stärkt die Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze und ermöglicht nachhaltige Lohnsteigerungen.
Portugal befindet sich an einem positiven Scheideweg. Noch nie hatte das Land gleichzeitig Zugang zu so vielen europäischen Mitteln, so viel Aufmerksamkeit internationaler Investoren und einen derart günstigen Kontext politischer und institutioneller Stabilität. Doch dieses Zeitfenster ist nicht dauerhaft.
Das nächste Jahrzehnt wird jene Volkswirtschaften trennen, die diesen Moment genutzt haben, um sich strukturell zu transformieren, von jenen, die ihn nur genutzt haben, um das Kurzfristige zu managen. Portugals Herausforderung besteht nicht darin, ein oder zwei weitere Jahre zu wachsen. Sie besteht darin, die Grundlagen für ein solideres, technologischeres und inklusiveres Wachstum für eine ganze Generation zu legen.
Kurz gesagt: Der wirtschaftliche Erfolg des nächsten Jahrzehnts wird nicht nur auf den Märkten entschieden. Er wird davon abhängen, wie das Land Investitionen, Innovation und Staat in einer kohärenten Zukunftsstrategie miteinander verbindet.
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