Kürzlich habe ich eine von Forbes veröffentlichte Zusammenfassung über Capgeminis kommenden Bericht gelesen: TechnoVision – Top 5 Tech Trends to Watch in 2026. Das vollständige Dokument wird erst im Januar erscheinen, und ich gestehe, dass ich seine Veröffentlichung mit großem Interesse erwarte, denn der vorgestellte Rahmen bestätigt sehr deutlich, was ich in der Praxis bei Unternehmen, Investoren und Entscheidungsträgern beobachte: Wir treten in eine Phase ein, in der Technologie endgültig aufhört, experimentell zu sein, und zu einem strukturellen Bestandteil des Geschäftsmodells von Organisationen wird.
Zur Einordnung: Capgemini gehört zu den größten Technologie- und Managementberatungen der Welt, ist in mehr als 50 Ländern präsent und beschäftigt über 350.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen arbeitet täglich mit Regierungen, großen Konzernen und Finanzinstituten zusammen, um deren Strategien für digitale Transformation, Cloud, Daten und Künstliche Intelligenz zu definieren. Das jährlich veröffentlichte TechnoVision-Programm wird von Führungskräften als strategischer Kompass für Investitionsentscheidungen und technologische Innovationen mittel- und langfristig genutzt.
Der stärkste Punkt des Berichts ist genau dieser: Capgemini bezeichnet 2026 als „Jahr der Wahrheit für Künstliche Intelligenz“. Nach einer Phase, die von Proofs of Concept, Pilotprojekten und Experimenten geprägt war, treten wir nun in die Phase einer ernsthaften, bereichsübergreifenden Umsetzung mit messbarem wirtschaftlichem Effekt ein. Die Herausforderung ist nicht mehr technologisch. Die Herausforderung ist organisatorisch, kulturell und strategisch. Es geht um Daten, Architektur, Governance und vor allem darum, wie Menschen und intelligente Systeme zusammenarbeiten.
Für Länder wie Portugal ist das ein kritischer Moment. Denn wer diese Transformation schnell, konsistent und strukturiert integriert, gewinnt einen Wettbewerbsvorteil, der Jahrzehnte anhalten kann. Und Portugal startet aufgrund seiner Offenheit für Innovation, der Qualität seiner Talente und der wachsenden Reife seines Technologie-Ökosystems aus einer deutlich günstigeren Position, als viele vermuten.
Die zweite große Veränderung, die Capgemini hervorhebt, ist vielleicht die leiseste, aber auch eine der tiefgreifendsten: Die Software selbst verändert sich. Entwicklung ist nicht mehr darauf zentriert, Code zu schreiben, sondern wird von Intentionen, Zielen und Ergebnissen getrieben. KI übernimmt einen Großteil der technischen Umsetzung, während sich menschliche Teams auf Aufsicht, Qualität, Governance und strategische Ausrichtung konzentrieren. Das erfordert eine tiefgreifende Neuqualifizierung der Talente und eine neue Art, über Engineering und Technologiemanagement nachzudenken.
Parallel dazu tritt die Cloud in eine neue Phase ein. Das sogenannte Cloud 3.0 ist nicht nur eine technische Weiterentwicklung. Es ist eine neue Architektur wirtschaftlicher Macht. Hybrid, Private Cloud, Multi-Cloud und Sovereign Cloud sind keine Optionen mehr, sondern werden zu Grundbedingungen für diejenigen, die KI in großem Maßstab mit Performance, Sicherheit und Souveränität betreiben wollen. Diese Realität hilft zu erklären, warum wir enorme Investitionen in Rechenzentren und digitale Infrastrukturen sehen — auch in Portugal.
Ein weiterer zentraler Trend ist der Aufstieg intelligenter Betriebsmodelle. Unternehmen entwickeln sich von isolierten Systemlandschaften hin zu dynamischen Prozessmotoren, unterstützt durch KI-Agenten, die kontinuierlich ausführen, vorschlagen, lernen und anpassen, während Menschen steuern, überwachen und strategische Entscheidungen treffen. Das verändert die Modelle von Produktivität, Risiko und Wertschöpfung radikal.
Schließlich betont der Bericht etwas, das ich für die kommenden Jahre als absolut entscheidend betrachte: Technologische Souveränität bedeutet nicht mehr Isolation. Sie bedeutet kontrollierte Interdependenz. 2026 werden wir ein intensives Rennen um die Kontrolle der kritischen Schichten der digitalen Wirtschaft erleben: Daten, Cloud, Chips, KI-Modelle und technologische Ökosysteme.
Diese Zusammenfassung beschreibt keine ferne Zukunft. Sie beschreibt die unmittelbare Gegenwart. Und wer das früh versteht — als Land, als Unternehmen oder als Investor — positioniert sich weit vor der Kurve.
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